Alma Humana! 2022

Alma Humana! 2022

15 August 2022 26 views

ein Rückblick


Vom 27. bis 31. Juli 2022 fand zum zweiten Mal die Tagung « Alma Humana » für die romanisch sprechenden Ländern, am Goetheanum statt. Das Thema lautete : Die Menschenwürde.



Das Treffen Alma Humana sollte letztes Jahr schon in Dornach stattfinden aber die Reisebedingungen waren für viele Länder unmöglich. Nun trafen sich wiederum fast 200 Menschen aus vielen Ländern und teilweise kamen noch mehr Menschen zu den Vorträgen und künstlerischen Abenden hinzu. Aus Europa waren es Menschen aus Spanien, Italien, Portugal, Rumänien, Belgien, Schweiz, Frankreich und noch einzelne Teilnehmer aus anderen europäischen Ländern. Dann kamen mit grosser Begeisterung, viele Menschen aus Südamerika : Brazilien, Argentinien, Chile, Kolumbien aber auch aus Israel und Japan. Es war wiederum ein ganz besonderes Ereignis das diese romanischen Sprachen am Goetheanum zusammenklingen konnten. Eine kleine Gruppe um Constanza Kalicks, Andrea de la Cruz, Jacinta Gorchs, Nicolas Criblez und einige Landesvertrer, haben seit zwei Jahren durch regelmässige Treffen in Dornach, die diesjährige Tagung vorbereitet. Nun erkrankte Constanza Kalicks ein Tag vor der Eröffnung und musste darauf verzichten an der so erwarteten Tagung teilzunehmen. Die Vorbereitungsgruppe musste einiges im Programm ändern und neu aufgreifen. Die vielen Freunde aus Rumänien konnten erst verspätet anreisen wegen Personalstreik bei Lufthansa und mussten vor dem Ende der Tagung mit einem früheren Flug zurück in ihr Land.

Die Freude vor Ort war sehr gross und man konnte richtig spüren wie nötig und bedeutend es war, sich nach Jahren wieder sehen zu dürfen für einige, und fûr andere, die zum ersten Mal so weit gereist sind, merkte man das die erste Begegnung mit dem Goetheanum zu einem prägnanten Ereignis und zu einer bedeutenden biographischen Etappe wurde.

Eine Teilnehmerin (Freiwiller Dienst) und ein Teilnehmer (Mitorganisator), berichten im Dialog von ihren Erlebnissen.

Er : Wie war die Stimmung für Dich ?

Sie : Es waren sehr viele liebe Menschen da ! Das war nicht immer der Fall bei anderen Tagungen an denen ich bis jetzt teilgenommen habe. Viele Menschen stahlten ihre Empathie und Dankbarkeit aus weil sie zum ersten Mal am Goetheanum waren. Die Blicke waren voller Neugier und das konnte man schon am Infotisch bemerken.

Sie : War die Hoffnung auf die Tagung immer noch so gross obwohl sie um ein Jahr vertagt wurde ?

Er : Das war unsere Sorge : werden die Menschen trotzdem kommen ? Ist die Dynamik noch kräftig genug ? Bald nach dem ersten Tag war es schon klar dass wir diese Tagung machen sollten. Freude bei dem Wiedersehen, neue Menschen kennenlernen aber, das alles in unseren romanischen Sprachen hier am Goetheanum.

Er : Kannst Du kurz sagen was Dich am meisten beeindruckt hat ?

Sie : Die Arbeitsgruppe an der ich teilgenommen habe beschäftigte sich mit meinen aktuellen Fragen. Wie kann man heute friedlich mit den Tieren zusammenleben und arbeiten. Dann gab es wunderschöne künstlerische Abende mit Musik, Eurythmie und Märchen. Besonders schön fand ich das Cellokonzert und das rumänische Märchen Mioritsa.

Sie : Warum kamen doch nicht soviele Menschen wie erhofft ?

Er : Es gibt bestimmt viele Gründe. Nach der Covid Zeit, ist es überall schwer, voll besuchte Tagungen zu haben. Dann ist die wirtschaftliche Situation für viele Menschen sehr gespannt. Ende Juli war auch keine gute Zeit mitten in den Sommerferien. Das Programm dagegen war reichlich bestückt und jeden Morgen gab es zum Beispiel die Möglichkeit, entweder an einer Klassenstunde in allen romanischen Sprachen ein Mal teilzunehmen oder eine Einführung in die freie Hochschule für Geisteswissenschaft zu bekommen. Nach dem Chorsingen im grossen Saal, gab es Beiträge zum Thema Menschenwürde bezüglich Menschenrechte, Frauenrechte, Rassismus, Ethik in der medizin, Gemeinschaftsbildung.

Direkt nach dem Essen, wurden Führungen in allen Sprachen organisert. Danach konnte man sich zu einer Arbeitsgruppe entscheiden und 4 Mal an einem Thema arbeiten. Also ein volles Programm vor den Künstlerischen Abenden.

Er : Welche neue Perpektiven hat diese Tagung Dir gebracht ? Ich habe viel Neues aus Südamerika erfahren obwohl ich aus Chile komme. Ich verstehe immer mehr dass man nicht unbedingt nach Europa kommen muss um interessante Projekte zu kennenzulernen. Ich könnte in Brazilien oder argentinien mit Kindern arbeiten oder in Mexiko Eurythmie studieren. Aus den Vorträgen der Ärzte wurde mir bewusst, dass der Menschen ständig Angst vor den Sterben hat und das Leben verlängern möchte. Wie kann man vom ethischen Gesichtspunkt aus, so viele technische Eingriffe auf den Menschenleib bejahen ? Wo sind die Grenzen ? Da hätte ich gerne noch mehr erfahren wollen.

Sie : Welches Thema fehlte vielleicht noch ?

Er : Das riesige Thema Menschenwürde kann man ja gar nicht in so kurzer Zeit umreissen. Man hätte die pädagogische Perspektive in der Erziehung mehr thematisieren können oder die Würde der alten Menschen. Es bräuchte eigentlich viele weitere Tagungen um in diese wesentlichen Fragen viel tiefer noch einzusteigen. Die allgemeine anthroposophische Sektion kann dieses Thema überhaupt noch jahrelang vertiefen.

Er : Was hat Dir bei dieser Tagung gefehlt ?

Sie : Das Plenum vom Samstag Nachmittag war einfach zu kurz. Man hätte gerne weitere Fragen stellen wollen. Mich hätte interessiert wie man mit der Frage des Sterbens anders umgehen kann, das heisst warum soviel Angst damit verbunden ist, warum man ewig jung bleiben möchte. Warum « lernt man » nicht zu sterben ? Ein Vorschlag für eine kommende Tagung wäre, mehr Zeit für solche Fragenbeantwortungen in das Programm einbauen.

Sie : Warum hat diese Tagung in Dornach stattgefunden ?

Er : Wie schon am Anfang gesagt : es ist für viele Menschen ein grosses Ereignis einmal in ihrem Leben den Ort wo die Anthroposophie mit Rudolf Steiner vor hundert Jahren entstanden ist, zu erleben. Natürlich wäre es sehr schön wenn weitere romanische Tagungen auch an anderen Orten der Welt stattfinden könnten.

Ein grosser Dank geht besonders an die Übersetzerinnen und an die Übersetzer die alle Beiträge in so viele Sprachen wiedergeben mussten.



Sofia Silva / René Becker